|
Multiplikatoren
Multiplikatoren in der Schwangerschaft sind: Gynäkologen/Innen, Hebammen, Arzthelferinnen, Schwangerschaftsberaterinnen, Kursleiter/-innen, Übungsleiter/-innen usw.
Fragen an Erwachsene im beruflichen Umfeld
Im beruflichen Alltag kann ich …
Fragen an Verantwortliche in Institutionen
Als Verantwortliche/r in einer Institution kann ich …
Hintergrund
PAPI-Produkte und – Maßnahmen in der Schwangerschaft:
1. Beratungsleitfaden
2. Präventionskurs „Aktiv und gesund durch die Schwangerschaft“
Fragen an Erwachsene im beruflichen Umfeld:
-
Bin ich ein gutes Vorbild für Kinder und Eltern?
-
Mache ich mir und Eltern bewusst, dass wir eine Vorbildfunktion besitzen?
-
Motiviere ich Kinder und Eltern zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil?
-
Fördere ich die Individualität der Kinder im Rahmen meiner Möglichkeiten?
-
Schätze ich Eltern und Kinder wie sie sind?
-
Nutze ich das Wissen und den Erfahrungsschatz der Eltern?
-
Kenne ich die Bedeutung von Ernährung und Bewegung für die Entwicklung von Kindern?
-
Halte ich mich in Bezug auf den aktuellen Wissensstand auf dem
Laufenden?
-
Wende ich diese Kenntnisse und Fähigkeiten im Berufsalltag an?
-
Gebe ich die Kenntnisse an Kollegen und Eltern weiter?
-
Tausche ich mich mit anderen Berufsgruppen „rund um‘s Kind“ aus?
-
Nutze ich die Möglichkeiten eines Netzwerkes?
Im beruflichen Alltag als Gynäkologe/in, Hebamme, Übungsleiter/in, Kursleiter/in oder Schwangerenberater/in kann ich ...
-
in meiner Beratung betonen, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung in der Schwangerschaft ist.
-
auf die nur geringfügig erhöhte Energiezufuhr von 250 kcal pro Tag hinweisen und konkrete Beispiele geben (250 kcal sind z. B.: 1 Scheibe Vollkornbrot mit Käse und 2 Möhren).
-
die Bedeutung und positiven Auswirkungen einer gemäßigten Gewichtszunahme* für den Schwangerschaftsverlauf, die Entwicklung des Kindes und die Geburt thematisieren.
-
die Folgen einer übermäßigen Gewichtszunahme* während der Schwangerschaft für die Gesundheit von Mutter und Kind besprechen.
-
Anregungen zum Essen und Trinken in der Schwangerschaft geben und auf Warnsignale des Körpers hinweisen.
-
die Schwangere mit dem Gedanken an das möglichst 6-monatige Stillen vertraut machen.
-
mit den anderen Berufsgruppen in einem Netzwerk zur Beratung und Betreuung von Schwangeren zusammenarbeiten.
-
-
die Bedeutung und positiven Auswirkungen von Sport und Alltagsaktivitäten für den Schwangerschaftsverlauf und die Entwicklung des Kindes thematisieren.
-
die Schwangeren bei unauffälligem Schwangerschaftsverlauf zu Sport und Bewegung im Alltag motivieren.
-
Anregungen zu Bewegung und Sport in der Schwangerschaft geben.
-
-
Informationen über geeignete Bewegungsangebote von Institutionen weitergeben und die Schwangeren zur Teilnahme motivieren.
-
Eltern zu einem aktiven Alltag, Freizeitbewegung und Sport motivieren.
Fragen an Verantwortliche in Institutionen:
-
Welchen Stellenwert hat Gesundheitsförderung in meiner Einrichtung?
-
-
Wie ist diese im Konzept bzw. Programm verankert?
-
Welche finanziellen Mittel sind dafür vorgesehen?
-
Wie gewährleisten wir die Umsetzung in die Praxis?
-
Weise ich Mitarbeitende auf ihre Verantwortung für sich selbst und Kindern gegenüber hin?
-
Motiviere ich Mitarbeitende zur Orientierung am PAPI-Leitfaden „Unbeschwert aufwachsen im Kreis Paderborn”?
-
Ermögliche und fördere ich regelmäßige Fort- und Weiterbildung?
-
Wie stelle ich die Umsetzung der Fortbildungsinhalte sicher?
-
Sorge ich für geeignete Rahmenbedingungen und Verbindlichkeiten im Hinblick auf die Umsetzung von gesundheitsförderlichen Maßnahmen für Ernährung und Bewegung?
-
Verstärke ich gesundheitsförderliches Verhalten durch Anerkennung?
-
Fördern und pflegen wir Kooperationen mit den Zielen Gesundheitsförderung und Adipositasprävention?
-
Sind wir als Partner in einem Gesundheitsnetzwerk aktiv?
Als Verantwortliche/r in der Arzt- oder Hebammenpraxis, im Sportverein, in einer Bildungsstätte oder in einer Beratungseinrichtung kann ich ...
- mich selbst fort- und weiterbilden.
- das Personal an regelmäßigen Fort- und Weiterbildungen teilhaben lassen und die Umsetzung der Fortbildungsinhalte sicherstellen.
- Probepackungen von Flaschen- und Beikostnahrung* in der Einrichtung nicht öffentlich präsentieren.
- Werbematerialien für Flaschen- und Beikostnahrung nicht zulassen.
- Süßigkeiten als Belohnung für Kinder in der Einrichtung vermeiden.
- produktneutral arbeiten.
- für ausreichend neutrale Informationsquellen und Broschüren sorgen.
- Wasserspender anbringen.
- Mitarbeitenden genügend Zeit und Raum geben, in Ruhe ein ausgewogenes Mittagessen zu sich zu nehmen.
- Kooperationen mit anderen Institutionen eingehen: Elternschule, Mütterzentrum, Bildungsstätten.
- Bewegungsmöglichkeiten und –materialien auch für Säuglinge und Kleinkinder anbieten: Krabbeldecken in Warte- und Beratungsräumen, Bälle...
- zielgruppenspezifische Bewegungsangebote schaffen.
- Kooperationen mit anderen Institutionen, z. B. einem Sportverein, eingehen.
- Informationsmaterial über entsprechende Bewegungsangebote aushängen und verteilen: z. B. „Aktiv und gesund durch die Schwangerschaft“*
- Rahmenbedingungen schaffen, damit Alltagsaktivitäten unterstützt werden: Fahrradständer anbringen, Fahrstuhl nur zur Beförderung von Kinderwagen oder Rollstühlen kennzeichnen, ...
- meine Institution bewegungsfreundlich einrichten: Hüpfekästchen, Klettermöglichkeiten, wenig Sitzmöbel, Stehpulte für Mitarbeiter, ...
- entsprechende Bewegungs- und Ruheräume zur Verfügung stellen: Sporthalle, Spielplätze, Wiesen, Snoezelenraum*, ...
- Bewegungs- und Ruhezeiten in den Arbeitsalltag einplanen
Hintergrund
Übergewicht und Adipositas resultieren aus einer Wechselwirkung genetischer, gesellschaftlicher, familiärer und individueller Faktoren, sind also Folgen der Verhältnisse in denen die Menschen leben („obesogenic environment“) und ihres daran unangepassten Verhaltens.
Risikofaktoren für kindliches Übergewicht

(KIGGS Studie, 2007)
PAPI-Produkte und Maßnahmen in der Schwangerschaft
1. Beratungsleitfaden
Durch eine gezielte Lebensstilberatung lernen Eltern die Bedeutung und den Zusammenhang von gesundem Essen und körperlicher Aktivität für die Entwicklung ihres Kindes kennen. Die Beratung der Schwangeren und der jungen Eltern erfolgt über ein eigens entwickeltes Informationsmaterial (Beratungsleitfaden). Dies Material, welches in Form von Aufklebern auf allen Mutterpässen und Kinder- Untersuchungsheften im Kreis Paderborn, zu finden ist, beinhaltet Hinweise zum gesunden Lebensstil. Die Hinweise sind kurz, einfach, verständlich gehalten und mit Piktogrammen hinterlegt. Sie sollen neben der Informationsvermittlung, der Ärzteschaft, den Hebammen und den Beratungsstellen als Checkliste zur Lebensstilberatung dienen und Eltern zum Nachfragen anregen. Die Befragung der Multiplikatoren (Gynäkologen, Hebammen, Arzthelferinnen, Schwangerenberaterinnen) ergab eine durchweg positive Beurteilung der Materialien. Bei einem Rücklauf von über 40% der insgesamt 124 ausgegebenen Fragebögen gaben 60% der Befragten an, die Checklisten tatsächlich zur Beratung der Schwangeren zu nutzen. Hierbei liegt die Rate der nutzenden Hebammen mit 80% deutlich höher als bei den Gynäkologen (36%). Diese geben als Grund dafür an, dass die Inhalte der Checklisten sowieso den üblichen Beratungsinhalten entsprechen. Dennoch sprechen sich auch die Gynäkologen zu 86% für eine Weiterführung der Maßnahme aus. Für diese Maßnahme konnten also mehrheitlich Hebammen gewonnen werden, was durchaus der Zielsetzung der Maßnahme entspricht. Hebammen konnten für das Thema Adipositas-prävention sensibilisiert werden und haben es in ihre Beratung aufgenommen.
Die Befragung von 253 Eltern zur Wahrnehmung der Aufkleber auf den Rückseiten des Mutterpasses und des gelben Untersuchungsheftes ergab, dass 26 % (Mutterpass) bzw. 31 % (Gelbes Untersuchungsheft) der Befragten Eltern explizit mit Hilfe der Vorlagen beraten worden sind. Weitere 40 % der Befragten haben die Aussagen zumindest einmal gelesen. Diejenigen, die persönlich beraten worden sind empfanden dies als sehr hilfreich.

2. Präventionskurs „Aktiv und gesund durch die Schwangerschaft“
Neben dem Informationsmaterial, wurde ein Konzept für einen Präventionskurs in den Handlungsfeldern Bewegung und Ernährung in der Schwangerschaft erstellt und eingeführt. Der Kurs „Aktiv und Gesund durch die Schwangerschaft“ ermöglicht Schwangeren im zweiten Trimenon durch eine Kombination eines aktiven Bewegungsangebotes mit gezielter Ernährungsschulung die Verankerung eines gesunden Lebensstils für sich, ihr Kind und ihr Umfeld. Der besondere verhältnispräventive Aspekt liegt in der Erschaffung eines bisher nicht existierenden Angebotes. Eine weitere Innovation ist die Kooperation von Hebammen, Ernährungsfachkräften und Sportvereinen Das Präventionsangebot weit über die eigentliche Geburtsvorbereitung und Schwangerschaftsgymnastik hinaus, da hier eine Kombination aus einem gezielten Bewegungsangebot und einer zielgruppenspezifischen Ernährungsschulung statt findet. Der Kurs erfüllt die Anforderungen an ein Präventionsangebot nach § 20 SGB V und kann als solcher über die Krankenkassen refinanziert werden.Kompetente Ernährungsfachkräfte vermitteln Informationen zur Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit, sowie zur Säuglings- und Kleinkinder-ernährung.Neben dem primärpräventiven Ansatz kann der Kurs auch als sekundärpräventives Angebot für bereits übergewichtige Schwangere, unter Berücksichtigung festgelegter Ausschlusskriterien, genutzt werden.
Der Kurs bietet 10 – 12 Schwangeren im 2. Trimenon (ab der 13. SSW) über einen Zeitraum von 3 Monaten einmal pro Woche eine Bewegungseinheit, die von einer speziell ausgebildeten Hebamme geleitet wird. Zwei der zwölf Kurseinheiten zu je 90 Minuten dienen der Wissensvermittlung zur Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie zur Säuglingsernährung und Beikosteinführung. Die zehn Bewegungseinheiten beinhalten ein moderates Ausdauertraining, leichte Kraft- und Beweglichkeitsübungen sowie kurze Info-Blöcke zum Thema Lebensstil. Die Organisation der Maßnahme obliegt einem Sportverein. Den Schwangeren und zukünftigen Familien wird somit der Zugang zum Setting Sportverein mit seinem breit gefächerten Angebot ermöglicht.
Bilder aus dem Kurs:

Spinning

Walking

Kräftigungsübungen

Beweglichkeitsübungen

Indoor-Cycling mit Ernährungsvortrag

Step-Aerobic

Ausdauertraining

Entspannungsübungen
Das Programm ist durch das PAPI- Projekt der Universität Paderborn auf seine Angemessenheit und Effektivität hin überprüft worden. Es konnte gezeigt werden, dass Frauen in einer unkomplizierten Schwangerschaft ohne Probleme sogar bis in die 39. SSW hinein Sport treiben können. Primär übergewichtige und adipöse Schwangere profitieren ganz besonders von den regelmäßigen Sporteinheiten und von der Gewichts- und Blutdruckkontrollen. Sie nehmen während des Kurses deutlich weniger an Gewicht zu als in der Zeit zuvor bis zum Kursstart. Auf die Gewichtszunahme bei normal- oder untergewichtigen Schwangeren hatte der Kurs keinen Effekt.
Da Schwangere üblicherweise ihre Sport- und Bewegungszeiten und –intensitäten massiv einschränken, ist es als großer Erfolg zu werten, dass die Kursteilnehmerinnen dies eben nicht taten. Durch die Teilnahme am Kurs trieben sie weiterhin regelmäßig Sport, erhöhten darüber hinaus aber auch ihre alltäglichen Bewegungszeiten.
Der Kurs „Aktiv und gesund durch die Schwangerschaft“ eignet sich aufgrund seiner Konzeption in besonderer Weise zur primären Adipositasprävention. Grundlegende Forderungen, in der Schwangerschaft Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsmangel zu vermeiden und das damit verbundene Risiko für Adipositas und Gestationsdiabetes zu senken, werden erfüllt. Eine durch ausreichende Bewegung und ausgewogene Ernährung kontrollierte Gewichtszunahme in der Schwangerschaft sowie die frühzeitige Aufklärung über die richtige Säuglingsernährung und Beikosteinführung senkt das Risiko einer perinatalen Fehlprogrammierung des kindlichen Stoffwechsels und damit eines lebenslang erhöhten Risikos für Übergewicht und Diabetes beim Kind. Auch als Kontroll- und Interventionsmaßnahme bei bereits bestehendem mütterlichem Übergewicht oder bei Gestationsdiabetes unterstützt er die Führung der Schwangeren. Bezüglich des therapeutischen Nutzens sind allerdings weitere, kontrollierte Studien erforderlich. Die interdisziplinäre Betreuung der Schwangeren durch eine Hebamme, eine Sportfachkraft und eine Oecotrophologin zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der Schwangerschaft bietet vielfältige Möglichkeiten, auf einen gesundheitsförderlichen Lebensstil der Familie einzuwirken. Der Kurs ist aufgrund seiner Themenfelder Bewegung und Ernährung als Präventionsmaßnahme nach § 20 SGB V eine sinnvolle Ergänzung zum bereits etablierten Geburtsvorbereitungskurs. Als Risikogruppen für Adipositas im Kindesalter können übergewichtige und adipöse Schwangere erreicht werden. Um Frauen mit Migrationshintergrund oder mit niedrigem sozioökonomischen Status besonders anzusprechen, sind weitere Zugangswege zu erschließen. Hebammen sollten für das Themengebiet „Sport in der Schwangerschaft“ zusätzlich qualifiziert werden.
Das Konzept für die Hebammen- und Übungsleiterzusatzqualifikation „Sport in der Schwangerschaft“ wird momentan vom PAPI Projekt in Zusammenarbeit mit dem Landessportbund NRW als curriculäre Weiterbildung erarbeitet.
Das Themenfeld „Sport in der Schwangerschaft“ konnte bereits Anfang 2008 erfolgreich in das Unterrichtscurriculum der Hebammenschule der St. Vincenz-Krankenhaus GmbH, Paderborn integriert werden.
Die komplette Dokumentation zum Präventionskurs findet sich als kostenloser download unter www.dsg.uni-paderborn.de/evb/publikationen/paderborner-schriften-zur-ernaehrungs-und-verbraucherbildung
|