Im Blick der Wissenschaft

Die vorgeburtliche Prägung lebenslanger Krankheitsrisiken

 

Der starke Anstieg von Übergewicht und daraus resultierenden Folgeerkrankungen in den Industrieländern in einem relativ kurzen Zeitraum von 20-30 Jahren ist genetisch nicht erklärbar. Stattdessen legen epidemiologische, klinische und tierexperimentelle Studien die Vermutung nahe, dass insbesondere die Ernährung während der vorgeburtlichen und frühkindlichen Entwicklung einen prägenden Einfluss auf die spätere Entstehung von Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 haben kann.
Vorbestehendes Übergewicht und Überernährung der Schwangeren und damit des ungeborenen Kindes im Mutterleib erhöhen nicht nur das Geburtsrisiko für Mutter und Kind sondern lassen sogar das spätere Erkrankungsrisiko für Übergewicht, Diabetes mellitus und seine kardiovaskulären Folgeerkrankungen für Mutter und Kind bis zum dreifachen ansteigen. Die Ursache hierfür ist eine Fehlprogrammierung der Körpergewichts- und Stoffwechselregulation während kritischer Entwicklungsphasen des Ungeborenen in der Schwangerschaft.

 

Literatur:
Plagemann A, Dudenhausen JW in: Ernährungsbericht 2008, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., Godesberger Allee 18, 53175 Bonn, zu beziehen über: www.dge-medienservice.de

 

 

Prävention von Übergewicht beginnt bereits im Mutterleib

 

Im Ernährungsbericht 2008 wird gefordert: Prävention darf nicht erst im Kindesalter beginnen. Entscheidende, lebenslange Weichenstellungen im Sinne einer Prägung von Krankheitsveranlagungen erfolgen bereits während kritischer Entwicklungsphasen im Mutterleib und in den ersten Lebenswochen.
Ein wesentlicher Bestandteil dieser präventiven Maßnahmen stellt die Aufnahme eines generellen Screenings auf Gestationsdiabetes in die Mutterschaftsrichtlinien dar.
Darüber hinaus soll die breite Aufklärung und Beratung der Frauen während oder besser bereits vor der Schwangerschaft im Vordergrund der primärpräventiven Bemühungen stehen. Bestehendes Übergewicht sollte vor der Schwangerschaft abgebaut, übermäßige Energieaufnahme und Gewichtszunahme während der Schwangerschaft vermieden werden. 
Derzeit gelten auch bei uns die Empfehlungen des amerikanischen Institute of Medicine (IOM) zur Gewichtszunahme in der Schwangerschaft:

 

BMI vor der Schwangerschaft

Empfohlene Gewichtszunahme

            < 19,8           Untergewicht

12,5 – 18 kg

    18,9 – 26,0          Normalgewicht

11,5 – 16 kg

> 26,0 – 29,0           Übergewicht

7,0 – 11,5 kg

            > 29,0           Adipositas

mind. 6,0 kg

Quelle: Institute of Medicine, Subcommittee on Nutritional Status and Weight Gain during Pregnancy, The National Academy of Science: Nutrition during pregnancy. Part I: Weight gain, Part II: Nutrient supplements. Report. National Academy Press, Washington, DC (1990)

 

Literatur:
Plagemann A, Dudenhausen JW in: Ernährungsbericht 2008, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., Godesberger Allee 18, 53175 Bonn, zu beziehen über: www.dge-medienservice.de

 

 

Ernährung in der Schwangerschaft

 

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, sollten Schwangere nicht „für zwei essen“. In der Tat ist zwar der Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen erhöht, der Mehrbedarf an Energie beträgt aber erst ab dem zweiten Trimenon ca. 250 kcal pro Tag. Dieser lässt sich mit einer Scheibe Vollkornbrot mit Käse und einem Glas Orangensaft decken. Eine vollwertige und abwechselungsreiche Mischkost kann den Mehrbedarf an Mikronährstoffen in der Regel decken. Bestimmte Nährstoffe wie z.B. das Vitamin Folat, Jod und Eisen werden in der Schwangerschaft in größeren Mengen vom Körper benötigt. Im Falle des Folats macht eine ausreichende Versorgung bereits vor der Schwangerschaft den größten Sinn, da Folat besonders in der ganz frühen Schwangerschaft für das Wachstum und die Entwicklung des Nervensystems benötigt wird. Gute Folsäurequellen sind grünes Blattgemüse, Vollkornprodukte, Tomaten oder Sojabohnen. Jod ist als Bestandteil der Schilddrüsenhormone ebenfalls wichtig für die Ausreifung des Gehirns und des Nervensystems. Die beste Jodquelle ist Seefisch, es ist aber auch in Milch und jodiertem Speisesalz enthalten.
Unter gewissen Umständen (Allergien, Unverträglichkeiten, Abneigungen gegenüber diesen nährstoffreichen Lebensmitteln) kann es sinnvoll sein, diese Nährstoffe in Form von Tabletten oder Tropfen zusätzlich einzunehmen. Dies sollte jedoch nur nach sorgfältiger Ernährungsanamnese und nach Überprüfung relevanter Blutparameter in Absprache mit den behandelnden Ärzten oder Hebammen erfolgen.

 

Literatur:
„Der Ernährungskalender für Eltern“ Geschäftsstelle Bundesprogramm Ökologischer Landbau in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Hrsg., zu bestellen unter: publikationen@bundesregierung.de

http://mutterundkind.aid.de/base/01_e.html

 

 

Sport und Bewegung in der Schwangerschaft

 

Laut einer Befragung der Deutschen Sporthochschule Köln geben 76% der Schwangeren an, dass sie ihr Bewegungsverhalten in der Schwangerschaft einschränken. Gründe für die Passivität liegen laut der Studie bei Unsicherheiten, fehlender Anstrengungsbereitschaft, Motivationsproblemen, Zeitmangel und Ängsten. Wenn Schwangere allerdings ihre körperliche Bewegung einschränken und gleichzeitig größere Mengen an Energie zu sich nehmen, führt dies unweigerlich zu einer übermäßigen Gewichtszunahme mit den oben beschriebenen Folgen eines erhöhten Geburtsrisikos und eines erhöhten Risikos für lebenslange Erkrankungen wie Adipositas und Diabetes mellitus für Mutter und Kind.
Trotz überwiegender Zufriedenheit mit der Betreuung durch die Ärzte beurteilen laut der Befragung 35% der Schwangeren die ärztliche Beratung im Hinblick auf Sport und Bewegung als eher schlecht. Weiterhin besagt die Umfrage, dass nur 15 % der Frauen während ihrer Schwangerschaft in einem Sportverein oder einer sportlich orientierten Institution aktiv sind.
Ziel zukünftiger Maßnahmen muss vor allem eine Steigerung der Selbstsicherheit durch noch bessere Aufklärung und eine Reduzierung von erlebten Barrieren gegen Sportaktivität in der Schwangerschaft sein.

 

Kleinert, J. (2007a). Sport und Schwangerschaft, Das Informations- und Service-portal [Internet]. Verfügbar unter: http://www.sportundschwangerschaft.de   [10.08.2009].

 

Reinhardt, L. & Wurster, K. G. (2007). Sportliche Belastung bei einer Schwangerschaft [Internet]. Verfügbar unter:

http://www.dgsp.de/_downloads/allgemein/Schwangerschaft%20und%20Sport.2009.pdf [27.05.2010]

 

 

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Sportwissenschaft und Ernährung & Verbraucherbildung

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