Im Blick der Wissenschaft

Ernährung von Kleinkindern

 

Das Ende des ersten Lebensjahres bildet den Übergang von der Säuglingsnahrung zur ausgewogenen Familienernährung, der optimierten Mischkost. Werden die Empfehlungen zur Beikosteinführung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) eingehalten, so ergibt sich mit den verwendeten Lebensmitteln das Grundgerüst der Ernährungspyramide.

 

 

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Die Ernährungspyramide ist ein einfaches Modell, das die Empfehlungen der DGE und des FKE zur Kinderernährung berücksichtigt. Sie ist nach Lebensmittelgruppen aufgebaut und gibt Richtmengen für den Verzehr vor. Die Farben der Lebensmittelgruppen in der Pyramide spiegeln die Ampelfarben wider:

 

grün = reichlich:

Getränke (kalorienfrei oder -arm) und pflanzliche Lebensmittel (Gemüse, Obst, Getreideerzeugnisse, Kartoffeln)

 

gelb = mäßig:

Tierische Lebensmittel (Milch, Milchprodukte; Fleisch, Wurst, Eier, Fisch)

 

rot = sparsam:

Fett- und zuckerreiche Lebensmittel (Speisefette, Süßwaren, Knabberartikel)

 

Die Optimierte Mischkost optimiX ist ein Konzept für die gesunde Ernährung von Kindern und Jugendlichen. Es wurde vom FKE Anfang der 1990er Jahre entwickelt und seitdem immer wieder an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Kinderernährung angepasst. Die Optimierte Mischkost ist kein Diätplan, sondern bietet einen Rahmen, innerhalb dessen Familien eine gesunde Ernährung in ihrem Alltag umsetzen können. Die Freude am Essen sollte dabei immer im Vordergrund stehen. Es werden altersgemäße Verzehrmengen für Lebensmittelgruppen empfohlen, die unter Berücksichtigung einiger Hinweise zur Auswahl von Lebensmitteln eine ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr gewährleisten.
Lebensmittel, die als „für Kinder besonders geeignet“ gekennzeichnet und beworben werden sind in der optimierten Mischkost überflüssig. Diese Lebensmittel geben vor, besonders reich an lebenswichtigen Nähr- und Aufbaustoffen zu sein. Häufig werden bunte, phantasievolle, kleine und angeblich „kindgerechte“ Packungsgrößen angeboten. Darüber hinaus werden nicht selten kleine Geschenke Sammelobjekte oder Spielmöglichkeiten in der Verpackung mitgeliefert. In Wirklichkeit enthalten diese speziellen Lebensmittel häufig sehr viel Zucker, viel Fett, kaum Obst, Gemüse oder Ballaststoffe. Diese Lebensmittel sind nach den Geschmacksvorlieben, nicht aber nach den tatsächlichen Bedürfnissen von Kindern hergestellt. Richtig ist, dass sie meist einen hohen Gehalt an Vitaminen oder Mineralstoffen aufweisen. Diese wurden jedoch meist künstlich zugesetzt. In Grundnahrungsmitteln sind diese ebenso und dann natürlicherweise enthalten.

 

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Fertig- und Halbfertigprodukte gehören zu den vorgefertigten Lebensmitteln (Convenience Lebensmittel). Es sind industriell be- oder verarbeitete Lebensmittel, bei denen bestimmte Be- und Verarbeitungsstufen vom Herstellerbetrieb übernommen werden und nicht mehr im Haushalt anfallen. Das Ziel, den Geschmack einer möglichst großen Käufergruppe zu treffen, führt zu standardisierten Rezepturen,  die „allgemein“ schmackhaft sind, aber nicht die Geschmacksvielfalt fördern. Ein Teil dieser Fertig- und Halbfertigprodukte weist hohe Gehalte an Zusatzstoffen, Geschmacksverstärkern, versteckten Fetten und Zucker auf. Dieses sind Gründe dafür, dass sie in der Ernährung von Kindern und Jugendlichen keinen hohen Stellenwert einnehmen sollten.

 

Für die gesunde Ernährung von Kindern ist aber nicht nur wichtig, was ein Kind isst, sondern auch wie und warum. Im Sinne der Adipositasprävention spielen bereits im Säuglings-, spätestens aber im Kleinkindalter die Ernährungserziehung und die Ernährungsbildung eine nicht unerhebliche Rolle. Ernährungserziehung beginnt mit dem Hineinwachsen in die familiale Esskultur. Die primäre Ernährungserziehung findet in der Familie statt. Kindern sollte ein positiver Zugang zur Welt des Essens und Trinkens und des eigenen Körpers ermöglicht werden. Essen und Trinken sind Schulung und Erlebnis für die Sinne und in funktionierenden sozialen Gemeinschaften auch für die Seele. Darüber hinaus schaffen Essen und Trinken aber auch Lerngelegenheiten für die kulturelle, kognitive und die feinmotorische Weiterentwicklung des Kleinkindes. Kinder sollen zum selbstständigen Essen und Zubereiten, zum Genießen und Erleben von Lebensmitteln befähigt werden.

 

 

„Küchentechnische“ Fähigkeiten und Fertigkeiten von Kleinkindern

 

Alter

Trinken

Essen

Helfen

Ab 1 Jahr

Mit Hilfe aus dem Becher trinken

Löffel halten

Keine wirkliche Hilfe

Ab 1,5 Jahre

Alleine aus dem Becher trinken

Mit dem Löffel essen

Kleine Dinge bringen, suchen helfen

Ab 2 Jahren

Sicher aus der Tasse trinken

Mit Löffel oder kleiner Gabel essen

Lebensmittel sortieren, Quark rühren, Obst und Kräuter ernten

Ab 3 Jahren

Mit dem Strohhalm trinken

Sicher mit Löffel und Gabel essen

Obst, Gemüse, Salat waschen

Ab 4 Jahren

Aus dem Glas trinken

Weiche Sachen schneiden, Brot schmieren

Am Herd kochen, schälen, klein schneiden, Soße rühren, Tisch decken und abräumen

Ab 5 Jahren

Selbst einschenken, aus dem Stielglas trinken

Härtere Sachen schneiden, sicher mit Besteck essen

Beim Kuchenbacken helfen, Eier aufschlagen, Eier braten, Kleinigkeiten einkaufen, Zutaten wiegen und messen, kleine Gerichte selber kochen

 

 

Mahlzeitenverteilung

 

Eine nicht unerhebliche Rolle im Sinne der Entwicklung eines gesunden Essverhaltens spielt die regelmäßige Verteilung der Mahlzeiten über den Tag. Für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr werden drei größere Hauptmahlzeiten (Frühstück, Mittagessen und Abendessen) und zwei kleinere Zwischenmahlzeiten (2. Frühstück und Nachmittagsimbiss) empfohlen. Ständiges Zwischendurch-Essen („Snacking“ oder „Grazing“) verhindert das Absinken des Blutzuckerspiegels und die völlige Magenentleerung, so dass das Kind keine Gefühle für „Hunger“ und „Satt“ kennen lernt.

 

 

Angebot - Entscheidung


Essentscheidungen sind häufig unbewusste Entscheidungen. Sie sind lebenslang Bestandteil von Essverhalten und Essgewohnheiten. Die Selbstbestimmung in Zusammenhängen des Essens und Trinkens ist ein zentrales Anliegen der Ernährungserziehung und-bildung. In dem pädagogisch-psychologischen Modell Angebot – Entscheidung* werden Kinder in ihrer Rolle als Konsumenten ernst genommen. Sie lernen von Anfang an, im Rahmen eines von Erwachsenen gestalteten Angebotes eigenständig zu entscheiden: „ob“ sie am Essen teilnehmen, „was“ sie von dem Angebot nehmen und „wie viel“ sie verzehren. Damit werden sie in ihrer Autonomie gestärkt und lernen so, Verantwortung für ihre eigenen Essentscheidungen zu übernehmen. Das Konzept eignet sich sowohl im häuslichen als auch im institutionellen Umfeld als Hilfestellung in der Erziehung, der allgemeinen Gesundheitsförderung und der Ernährungs- und Verbraucherbildung. Im Rahmen der Prävention von Essstörungen wurde das Modell als Teil des Konzeptes Leibeslust – Lebenslust  evaluiert.


Ess- und Trinkgewohnheiten sind automatisierte Verhaltensweisen und Handlungen im Umgang mit Essen und Trinken. Kinder entwickeln diese überwiegend durch Modell-Lernen und Wiederholung. In der Kindheit erworbene Gewohnheiten prägen das Essverhalten oft ein Leben lang. Je gesundheitsförderlicher die Rahmenbedingungen gestaltet sind und die Vorbilder handeln, desto selbstverständlicher entwickeln Kinder „gute“ Ess- und Trinkgewohnheiten. Regeln, Rhythmen und Rituale helfen Kindern sich am Esstisch zurechtzufinden. Sie sind Bestandteil der Ess-, Tisch und Mahlzeitenkultur* und auch des Konzeptes Angebot – Entscheidung*. Für jede Tischgemeinschaft können dabei eigene, als sinnvoll empfundene Regeln gelten.


Kultur ist das, womit Menschen aufwachsen, was sie umgibt, was ihr Alltagsleben bestimmt und damit selbstverständlich ist. Alltags- und insbesondere Esskultur wird im Prozess des Aufwachsens ein Teil der Identität. Somit umfasst Esskultur alle Aspekte von ‚Mensch’ und ‚Welt’. Tisch- und Mahlzeitenkultur sind Teile davon. Die Auseinandersetzung mir der eigenen Esskultur ist Bestandteil der Ernährungsbildung nach REVIS*. Das Aufwachsen in einer gesundheitsförderlichen Alltags- und Esskultur ist für die Adipositasprävention* ein unverzichtbarer Bestandteil.


www.Familienhandbuch.de/Esskultur und familiale Alltagskultur
Leibeslust – Lebenslust
www.jugendhilfeportal.de/wai1/showcontent.asp?ThemaID=5208

 

 

Bewegung im Kleinkindalter

 

Warum Bewegung im Kleinkindalter so wichtig ist!

 

Kinder brauchen Bewegung. Nicht allein für ihre gesunde körperliche Entwicklung, sondern auch für ihre geistige, emotionale und soziale Entwicklung. Zunehmend wird die grundlegende Bedeutung der Bewegung für die Entwicklung der Wahrnehmung und für die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung erkannt.

 

Gerade in der frühen Kindheit erfolgt die unmittelbare Erfahrung, das "Begreifen" der Umwelt, vorwiegend durch die Tätigkeit des Kindes, über seine körperlichen und seine sinnlichen Erfahrungen. Diese unmittelbare Auseinandersetzung mit der Umwelt gilt als wesentlich für die Entwicklung der geistigen Fähigkeiten und des Denkens. Dies hat insbesondere der Schweizer Entwicklungspsychologe Jean Piaget in seinem umfangreichen Werk nachgewiesen (Piaget 1969). Auch die Äußerungen des Kindes erfordern motorische Aktivitäten: Das erste Lächeln des Säuglings, das die Eltern entzückt, alle mimischen Ausdrucksformen sind Bewegung. Nicht zuletzt erfordert auch gerade das Sprechen ein ausgeprägtes, fein abgestimmtes Zusammenspiel vielfältiger Bewegungen. Beim Zeichnen und Malen und beim Schreiben werden Bewegungen festgehalten.

 

Das Kleinkind, das lernt, sich selbständig fortzubewegen, kann dadurch seinen Lebensraum beständig erweitern und erforschen, seine Unabhängigkeit steigern und neue Erfahrungen sammeln, die für seine weitere Entwicklung entscheidend sind. Bei dieser "Eroberung" der Umwelt ist das Kind zunächst in hohem Maße auf die Mithilfe anderer Personen, in erster Linie natürlich seiner Eltern, angewiesen.

 

www.ifp.bayern.de/veroeffentlichungen/online.html

 

 

Wie entwickelt sich die Bewegung des Kleinkindes?

 

Im folgenden werden einige Überlegungen zur motorischen Entwicklung des Kindes in der frühen Kindheit vorgestellt, die für die Förderung der motorischen und damit der Gesamtentwicklung des Kindes von Bedeutung sind, und die vor allem Fertigkeiten wie Laufen, Steigen, Klettern, Springen, Fangen und Werfen betreffen.

 

Die motorische Entwicklung verläuft in den ersten drei Lebensjahren rasant.

 

Motorische Entwicklung
Die motorische Entwicklung beschreibt lebensalterbezogene Veränderungen der Steuerungs- und Funktionsprozesse, die dem Menschen für die Koordination seiner Körperhaltung und Bewegungen zur Verfügung stehen.Das koordinative System hat die Aufgabe, das Zusammenspiel einer angemessenen Haltung und der darauf auf-bauenden Bewegung des Körpers zu kontrollieren. Wenn der Mensch geht, hüpft, sitzt oder auch nach etwas greift, laufen Steuer- und Regelungsvorgänge im Körper ab. Maßgeblich an dieser Regulation beteiligt ist das zentrale Nervensystem, welches die motorischen Prozesse und Reaktionen organisiert.

 

www.kindergesundheit-info.de
www.kinderaerzte-im-netz.de

 

In der frühen Kindheit erfolgt - entsprechend der körperlichen Reifung - eine zunehmende Vervollkommnung der Grundfertigkeiten, gleichzeitig werden sie modifiziert und es entwickeln sich neue Fertigkeiten. Die Fähigkeit zur selbständigen Fortbewegung verbessert sich rasch, die Bewegungen werden sicherer, zielgerichteter und ökonomischer. Später zeigen sich die Grundformen der sportlichen Motorik wie Laufen oder Rennen, Klettern, Springen, Balancieren, Fangen und Werfen. Diese Fertigkeiten ermöglichen den Kindern eine effektivere Auseinandersetzung mit der Umwelt, eine Erweiterung ihres Lebensraumes und damit auch ihres sozialen Umfeldes. Die genannten Grundformen entwickeln sich im wesentlichen in der Zeit vom 2. bis zum 6. Lebensjahr. Sie werden in der Folge weiter verfeinert, flüssiger und besser kontrolliert. Zudem werden sie bei Bewegungsspielen eingesetzt und können miteinander kombiniert werden (z.B. Werfen eines Balls im Laufen). Bei entsprechender Anregung können die Kinder bereits im Vorschulalter neue spezifische Fertigkeiten wie Rollschuhlaufen, Turn- und Geschicklichkeitsübungen, Schwimmen, Radfahren erlernen.

 

Aufgrund des derzeitigen Erkenntnisstandes der Entwicklungsbiologie und -psychologie sind Bewegung und Sport unverzichtbare Bestandteile der Erziehung des Kindes. Für das Kind ist die Bewegung zunächst Ausdruck seiner natürlichen Lebensfreude, dient dem Wohlbefinden und der Förderung des allgemeinen Gesundheitszustandes. Da eine gut entwickelte Körperkoordination eine Grundvoraussetzung für viele motorische Aktivitäten und Sportarten darstellt und bewegungsgeschickte Kinder in vielen kritischen Situationen weniger unfallgefährdet sind, erscheint es lohnend, der Körperkoordination besondere Beachtung zu schenken und Übungen, die diese Fähigkeit steigern, anzuregen.

 

www.ifp.bayern.de/veroeffentlichungen/online.html

 

 

Was will die Bewegungserziehung?

 

Ziele der Bewegungsförderung sind:

  • motorische, psychische und kognitive Anreize vermitteln

  • vielfältige Bewegungserfahrungen sammeln

  • motorische Kompetenzen erweitern

  • die Gesamtpersönlichkeit stärken

  • positive soziale Verhaltensweisen einüben.

Es ist nicht vordringliche Aufgabe, die Kinder körperlich leistungsfähiger und kräftiger, gelenkiger, schneller und ausdauernder zu machen, auch wenn dies bei allen gut geplanten und durchgeführten Bewegungsprogrammen erwartet werden darf.

 

Bei der Planung und Durchführung von Bewegungsprogrammen mit Kindern muss die Erkenntnis im Vordergrund stehen, dass zwischen motorischem Verhalten, emotionalem Erleben und kognitiven Prozessen - also zwischen Bewegen, Fühlen und Denken - nur willkürlich unterschieden werden kann. Jedes Verhalten umfasst motorische, emotionale und kognitive Aspekte. Für Kinder ist die Bewegung ein wichtiges Mittel, Informationen über ihre Umwelt, aber auch über sich selbst, ihren Körper, ihre Fähigkeiten zu erfahren, die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen, das notwendige Selbstvertrauen zu entwickeln und im (Bewegungs-) Spiel mit anderen soziale Lernerfahrungen zu sammeln. Kinder sollen daher möglichst vielfältige Bewegungserfahrungen machen können; diese Erfahrungen betreffen die physikalische Umgebung, Objekte, die bewegt werden können, akustische und optische Reize, die vorgegeben oder selbst erzeugt werden können. Dabei müssen Kinder ausreichend Gelegenheit erhalten, in möglichst offenen Bewegungssituationen ihre motorischen Möglichkeiten selbständig zu erproben und zu vertiefen. Übungen sollen, aufbauend auf der natürlichen Bewegungsfreude des Kindes, möglichst in spielerischer Form stattfinden. Auch hochkomplexe Bewegungsfertigkeiten und spezielle Fertigkeiten, wie der Umgang mit Kleingeräten und grundlegende Spielformen können auf diese Art erlernt werden.

 

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Bewegung fördern - aber wie?

 

Für die Bewegungsförderung im Kleinkindalter eignen sich Übungen und neue, kindgemäße Übungs- und Spielgeräte, z.B. Zeitlupenbälle und Tücher. Es können

 

Übungen zu folgenden Bereichen angeboten werden:

  • Sinneserfahrung (wobei taktile, visuelle und akustische Reize angesprochen werden sollen, also Fühlen Sehen, Hören)

  • Körpererfahrung (Bewegungs- und Lageempfinden, Körperstruktur)

  • großräumige Bewegungserfahrung (Kraftentfaltung, Raumorientierung, Überwinden von Hindernissen)

  • kleinräumige Bewegungs- und Materialerfahrung (Kraftdosierung, Geschicklichkeit, Auge-Hand-Koordination).

Hinzu können rhythmisch-musikalische, pantomimische und tänzerische Darstellungsformen sowie Wassergewöhnungs- und Schwimmübungen treten.

Wichtig ist, dass die Freude, die Kinder bei Sport und Spiel erleben, erhalten bleibt und nicht inadäquaten Lehrmethoden und Inhalten zum Opfer fällt. Die vorhandene Bereitschaft der Kinder zu motorischer Aktivität sollte aufgegriffen und ermutigt und keinesfalls abgeblockt werden. Nur dann wird die Grundlage für eine lebenslang freudig betriebene sportliche Betätigung gelegt werden. Wichtig hierfür ist nicht zuletzt das Vorbild der Bezugspersonen, Eltern, Erzieher, Übungsleiter, aber auch eine Umwelt, in der diese Bereitschaft nicht aus Sicherheitsgründen, z.B. wegen der Gefährdung durch den Straßenverkehr, unterdrückt werden muss.

 

Unter dem Aspekt der Sicherheit ist zu beachten, dass Bewegung und Bewegungsspiele niemals frei von Gefahren sind. Absolute Sicherheit kann nicht erreicht werden und ist auch aus pädagogischen Gründen wenig sinnvoll: Kinder müssen lernen, ihre Fähigkeiten einzuschätzen, Risiken zu kalkulieren und ihr Handeln entsprechend auszurichten. So zeigt sich, dass zuviel (vermeintliche) Sicherheit die Verletzungsgefahr für Kinder erhöht und Bewegungssicherheit sich nur durch Bewegungserfahrung erreichen lässt (vgl. Kunz 1992). Dies entbindet natürlich keinesfalls die Verantwortlichen von der Verpflichtung, ernsthafte Gefahrenquellen auszuschalten!

 

 

Motorische Entwicklung, Umweltfaktoren und familiäre Bedingungen


Es liegt nahe, Zusammenhänge zwischen der unmittelbaren physikalischen Umwelt, der sozialen Umwelt und den Bedingungen in der Familie und der motorischen Leistungsentwicklung zu vermuten (Krombholz 1998).

 

Es liegen Untersuchungsergebnisse zu folgenden Einflussfaktoren vor:

  • Wohnort (Stadt - Land) (Wobei vermutet werden kann, dass die Spiel- und Wohnbedingungen auf dem Lande besser sind)

  • Größe der Wohnung / Wohngebiet

  • soziale Schicht (analog zur kognitiven Entwicklung, verstärkte Anregungen in oberen sozialen Schichten)

  • Kindergartenbesuch (motorische Förderung, aber auch vermehrtes Stillsitzen)

  • Stellung in der Geschwisterreihe und Anzahl der Geschwister (Vorbildwirkung
    älterer Geschwister, größere Freiräume für Nachgeborene)

  • Erziehungsstil der Eltern (wenig ängstliche Eltern sollten ihren Kindern größere Freiräume gewähren und damit die motorische Entwicklung positiv beeinflussen)

  • sportliche Einstellung der Eltern

  • Besuch von Übungsstunden in Sportvereinen.

Es dürfte klar sein, dass diese Faktoren keineswegs voneinander unabhängig sind, wodurch die Analyse erschwert wird; so werden natürlich sportliche Eltern ihre Kinder eher in Sportvereine schicken als unsportliche.

 

Bei einigen Kindern sind allerdings Störungen des Bewegungsverhaltens oder Abweichungen von der "normalen" Entwicklung der Motorik zu beobachten, ohne dass somatische Ursachen, Einschränkungen der Sinnesleistungen oder der kognitiven Fähigkeiten nachgewiesen werden können. In diesem Falle spricht man von umschriebenen Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen.

 

 

Folgen von Bewegungsmangel

 

Gerade bei Kleinkindern werden Sicherheitsüberlegungen oft in den Vordergrund gestellt und das Umfeld wird übermäßig abgesichert.
Mit zunehmendem Alter gehen der steigende Medienkonsum und die Motorisierung der Gesellschaft zulasten einer natürlichen Bewegungsentwicklung.

 

www.kindersicherheit.de

 

Tipps zum Medienkonsum
Im Rahmen der initiative „SCHaU Hin! - Was deine Kinder machen” gibt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Zusammenarbeit mit ZDF online Tipps zur Medienerziehung heraus. In "50 fragen und 50 antworten" werden Ratschläge zu den Bereichen „Fernsehen“, „Internet“, „Computerspiele“, „Lesen“ und „Handy“ u. a. zu folgenden fragen gegeben: Wie lange dürfen Kinder fernsehen? Wie gefährlich sind gewalthaltige Computerspiele? Wie können Eltern ihren Kindern einen bewussten Umgang mit dem Internet vermitteln? Familien sollen dadurch Anregungen für einen bewussten Umgang mit den Medien bekommen.

 

www.bmfsfj.de

 

 

Klinisches Erscheinungsbild und Diagnose von motorischen Entwicklungsstörungen

 

Kinder mit umschriebenen Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen zeigen ein nicht altersgemäßes Bewegungsverhalten und sind in ihrer motorischen Gesamtentwicklung verlangsamt. Die Bewegungsmuster sind zwar meist unauffällig, werden aber erst verspätet erworben. Diese Kinder erreichen die so genannten motorischen "Meilensteine" der Entwicklung nur mit erheblicher Verspätung und sie machen z.B. ihre ersten freien Schritte nicht vor ihrem 3. Lebensjahr. Es können alle motorischen Leistungen oder nur eine Teilbereich betroffen sein: Hat das Kind Schwierigkeiten mit der Feinmotorik oder der Auge-Hand-Koordination, so gelingt es ihm z.B. im Alter von dreieinhalb Jahren noch nicht, drei Bauklötzchen aufeinander zu stellen, wohingegen grobmotorischen Leistungen (wie Sitzen, Krabbeln, sich Aufrichten und Gehen) nicht betroffen sind.


Im Kindergarten- oder Grundschulalter gelten Kinder mit motorischen Entwicklungsstörungen als ungeschickt und unbeholfen, sie haben Schwierigkeiten beim Anziehen und beim Malen. Sie lassen häufig Gegenstände fallen, haben Probleme beim Hüpfen, Balancieren, beim Werfen und besonders beim Fangen von Bällen, meiden daher Ballspiele und andere Spiele, bei denen es auf Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Gewandtheit ankommt. Beim Erlernen des Fahrradfahrens, Schwimmens, Rollschuhfahrens fallen sie durch staksige, plumpe Bewegungen, fehlende Geschmeidigkeit auf und sie haben Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht. Wegen ihrer mangelnden motorischen Leistungen werden sie nicht selten Opfer von Hänseleien. Im Schulalter fallen sie durch eine ungelenke, schlecht leserliche Handschrift und schlechte Leistungen im Sportunterricht auf. Es besteht die Gefahr, dass diese Kinder, insbesondere Jungen, aufgrund schlechter Leistungen bei Mannschaftsspielen zu Außenseitern werden. Mit dem Älterwerden der Kinder vermindern sich die Störungen, wenn auch geringe Defizite oft bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben.

 

Da das Sprechen eine ganz besonders anspruchsvolle feinmotorische Leistung darstellt, ist es nicht verwunderlich, dass Kinder mit umschriebenen Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen häufig Schwierigkeiten beim Sprechen haben und selbst im Grundschulalter manche Laute noch nicht richtig bilden können.

 

Für die Beurteilung, ob die motorische Entwicklung eines Kindes altersadäquat verläuft und ob eine Intervention angezeigt ist, ist durch einen klinischen Psychologen anamnestisch nicht nur die motorische Entwicklung, sondern die Gesamtentwicklung des Kindes zu eruieren. Durch Verhaltensbeobachtung sollte geklärt werden: sind die Bewegungen des Kindes altersgemäß, zeigen sich auch "pathologische" Bewegungsmuster, die im normalen Entwicklungsverlauf nicht auftreten, oder versagt das Kind bei Bewegungsanforderungen aus Überängstlichkeit oder mangelndem Selbstvertrauen.

 

 

Literatur:

 

Kast-Zahn, A.; Morgenroth, H: Jedes Kind kann richtig essen, Oberstebrink Verlag, 2005

 

„Der Ernährungskalender für Eltern“ Geschäftsstelle Bundesprogramm Ökologischer Landbau in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Hrsg., zu bestellen unter: publikationen@bundesregierung.de

 

„Der Ernährungskalender für Eltern mit Kindern von 2 bis 6 Jahren“ Geschäftsstelle Bundesprogramm Ökologischer Landbau in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Hrsg., zu bestellen unter: publikationen@bundesregierung.de

 

Düren M, Kersting M. Das Angebot an Kinderlebensmitteln in Deutschland: Produktübersicht und ernährungsphysiologische Wertung. Ernährungs-Umschau 2003; 50: 16-21

 

Die Ernährung gesunder Kinder und Jugendlicher nach dem Konzept der Optimierten Mischkost, Alexy, U, Clausen K, Kersting M. Ernährungs Umschau 2008; 55(3): 168-177.

 

optimiX Empfehlungen für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen, aid-Infodienst (Hrsg.) Bonn. 2004, zu beziehen über www.aid.de oder www.fke-do.de

 

aid (Hrsg): Clever essen und trinken mit der aid-Kinderpyramide, Baustein für erlebnisorientiertes Lernen in der Grundschule; aid-Infodienst, Bonn. 2004

 

Kochen für Kleinkinder, G&U, 2004
Krombholz, H. (1985). Motorik im Vorschulalter. Ein Überblick. Motorik, 8, 83-96.

 

Krombholz, H. (1988). Sportliche und kognitive Leistungen im Grundschulalter - Eine Längsschnittuntersuchung. Frankfurt, Bern, New York, Paris: Lang.

 

Krombholz, H. (1998). Theorien, Modelle und Befunde zur motorischen Entwicklung im Kindesalter. Sportonomics, 4 (2), 55-76.

 

Krombholz, H. (1999). Körperliche, sensorische und motorische Entwicklung im 1. und 2. Lebensjahr. In Deutscher Familienverband (Hrsg.), Handbuch Elternbildung. Band 1: Wenn aus Partnern Eltern werden. S. 533-557. Opladen: Leske + Budrich.

 

Krombholz, H.(2005). Bewegungsförderung im Kindergarten – Ein Modellversuch. Schorndorf: Hoffmann.

 

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