Außerhalb des häuslichen Umfeldes

Im Kleinkindalter nehmen neben den Eltern in zunehmendem Maße auch andere Erwachsene Einfluss auf die Entwicklung und Erziehung des Kindes. Diese sind in unterschiedlichen Funktionen und Einrichtungen Ansprechpartner für Eltern und Kinder. 
Multiplikatoren im Kleinkindalter sind Kinderärzte/Innen, Erzieher/Innen, Übungsleiter/Innen, Arzthelfer/Innen, Krabbelgruppenleiter/Innen, Tageseltern, Kinderpflegerinnen usw.

Informationen speziell für Betreuungspersonal in Kindertageseinrichtungen siehe auch unter „3-6-jährige in der Kita“

 

 

Fragen an Multiplikatoren

 

Im beruflichen Alltag kann ich …

 

Fragen an Verantwortliche in Institutionen

 

Als Verantwortliche/r in einer Institution kann ich …

 

Hintergrund

 

PAPI-Produkte und Maßnahmen im Kleinkindalter:
1. Beratungsleitfaden
2. Bewegungskartei „Häusliche Bewegungsräume“

3. Multiplikatorenschulung „Besser essen. Mehr bewegen. – U3“

 

 

 

Fragen an Multiplikatoren im beruflichen Alltag „rund um´s Kind"

  • Bin ich ein gutes Vorbild für Kinder und Eltern?

  • Mache ich mir und Eltern bewusst, dass wir eine Vorbildfunktion besitzen?

  • Motiviere ich Kinder und Eltern zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil?

  • Fördere ich die Individualität der Kinder im Rahmen meiner Möglichkeiten?

  • Schätze ich Eltern und Kinder wie sie sind?

  • Nutze ich das Wissen und den Erfahrungsschatz der Eltern?

  • Kenne ich die Bedeutung von Ernährung und Bewegung für die Entwicklung von Kindern?

  • Halte ich mich in Bezug auf den aktuellen Wissensstand auf dem Laufenden?

  • Wende ich diese Kenntnisse und Fähigkeiten im Berufsalltag an?

  • Gebe ich die Kenntnisse an Kollegen und Eltern weiter?

  • Tausche ich mich mit anderen Berufsgruppen „rund um‘s Kind“ aus?

  • Nutze ich die Möglichkeiten eines Netzwerkes?

 

Im beruflichen Alltag als Hebamme, Kinderarzt/ärztin, Gruppenleiter/in,  Kinderpflegerin, Erzieherin oder Tagesmutter/-vater kann ich ...

 

Ernährung

  • Eltern bei jedem Kontakt auf die Ernährung des Kindes ansprechen.

  • das möglichst 6-monatige Stillen in den Vordergrund meiner Beratung stellen.

  • Eltern darin unterstützen, auch bei Problemen möglichst weiter zu stillen.

  • die Bedeutung der Säuglingsernährung für die Entwicklung des Kindes und das Entstehen von Krankheiten und Übergewicht thematisieren.

  • Eltern bezüglich der Ernährung fachkompetenten Rat geben.

  • Eltern auf gute Informations- und Beratungsangebote hinweisen und sie dazu motivieren, diese anzunehmen.

  • Kontakt mit anderen Berufsgruppen aufnehmen und gemeinsam entsprechende Angebote einrichten und unterstützen.

  • den Beratungsleitfaden II „Unbeschwert aufwachsen in Paderborn"* auf der Rückseite des gelben Kinder-Untersuchungsheftes nutzen.

Bewegung

  • Eltern dazu motivieren, den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern und die Freude an der Bewegung zu unterstützen und zu fördern.

  • Eltern Beispiele für vielfältige Bewegungsmöglichkeiten und -räume geben (siehe Häusliche Bewegungsräume*).

  • die Bedeutung von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Sinnesreizen* für die Entwicklung des Kindes thematisieren.

  • darauf hinweisen, dass Kinder diese Reize eigenständig wahrnehmen und hierzu genügend Zeit erhalten sollen.

  • auf die Bedeutung von Ruhe- und Entspannungsphasen aufmerksam machen, um eine Reizüberflutung zu vermeiden.

  • Informationen über spezielle Bewegungsangebote von Institutionen weitergeben und zur Teilnahme motivieren.

 

Fragen an Verantwortliche in Institutionen

  • Welchen Stellenwert hat Gesundheitsförderung in meiner Einrichtung?

  • Welche Rolle spielt dabei die Adipositasprävention*?

  • Wie ist diese im Konzept bzw. Programm verankert?

  • Welche finanziellen Mittel sind dafür vorgesehen?

  • Wie gewährleisten wir die Umsetzung in die Praxis?

  • Weise ich Mitarbeitende auf ihre Verantwortung für sich selbst und Kindern gegenüber hin?

  • Motiviere ich Mitarbeitende zur Orientierung am PAPI-Leitfaden „Unbeschwert aufwachsen im Kreis Paderborn”?

  • Ermögliche und fördere ich regelmäßige Fort- und Weiterbildung?

  • Wie stelle ich die Umsetzung der Fortbildungsinhalte sicher?

  • Sorge ich für geeignete Rahmenbedingungen und Verbindlichkeiten im Hinblick auf die Umsetzung von gesundheitsförderlichen Maßnahmen für Ernährung und Bewegung?

  • Verstärke ich gesundheitsförderliches Verhalten durch Anerkennung?

  • Fördern und pflegen wir Kooperationen mit den Zielen Gesundheitsförderung und Adipositasprävention?

  • Sind wir als Partner in einem Gesundheitsnetzwerk aktiv?

 

Als Verantwortliche/r in der Arzt- oder Hebammenpraxis, im Sportverein, in einer Bildungsstätte oder Beratungseinrichtung kann ich ...

 

Ernährung

  • mich selbst fort- und weiterbilden.

  • das Personal an regelmäßigen Fort- und Weiterbildungen teilhaben lassen und die Umsetzung der Fortbildungsinhalte sicherstellen.

  • Probepackungen von Flaschen- und Beikostnahrung* in der Einrichtung nicht öffentlich präsentieren.

  • Werbematerialien für Flaschen- und Beikostnahrung nicht zulassen.

  • Süßigkeiten als Belohnung für Kinder in der Einrichtung vermeiden.

  • produktneutral arbeiten.

  • für ausreichend neutrale Informationsquellen und Broschüren sorgen.

  • Wasserspender anbringen.

  • Mitarbeitenden genügend Zeit und Raum geben, in Ruhe ein ausgewogenes Mittagessen zu sich zu nehmen.

  • Kooperationen mit anderen Institutionen eingehen: Elternschule, Mütterzentrum, Bildungsstätten.

Bewegung

  • Bewegungsmöglichkeiten und –materialien auch für Säuglinge und Kleinkinder anbieten: Krabbeldecken in Warte- und Beratungsräumen, Bälle, ...

  • zielgruppenspezifische Bewegungsangebote schaffen.

  • Kooperationen mit anderen Institutionen, z. B. einem Sportverein, eingehen.

  • Informationsmaterial über entsprechende Bewegungsangebote aushängen und verteilen: z. B. „Aktiv und gesund durch die Schwangerschaft“*

  • Rahmenbedingungen schaffen, damit Alltagsaktivitäten unterstützt werden: Fahrradständer anbringen, Fahrstuhl nur zur Beförderung von Kinderwagen oder Rollstühlen kennzeichnen, ...

  • meine Institution bewegungsfreundlich einrichten: Hüpfekästchen, Klettermöglichkeiten, wenig Sitzmöbel, Stehpulte für Mitarbeiter, ...

  • entsprechende Bewegungs- und Ruheräume zur Verfügung stellen: Sporthalle, Spielplätze, Wiesen, Snoezelenraum*, ...

  • Bewegungs- und Ruhezeiten in den Arbeitsalltag einplanen.

 

Hintergrund

Übergewicht und Adipositas resultieren aus einer Wechselwirkung genetischer, gesellschaftlicher, familiärer und individueller Faktoren, sind also Folgen der Verhältnisse in denen die Menschen leben („obesogenic environment“) und ihres daran unangepassten Verhaltens.

 

 

Risikofaktoren für kindliches Übergewicht

 

(KIGGS Studie, 2007)

 

 

PAPI-Produkte und Maßnahmen im Kleinkindalter

 

1. Beratungsleitfaden

 

Durch eine gezielte Lebensstilberatung lernen Eltern die Bedeutung und den Zusammenhang von gesundem Essen und körperlicher Aktivität für die Entwicklung ihres Kindes kennen. Die Beratung der jungen Eltern erfolgt über ein eigens entwickeltes Informationsmaterial (Beratungsleitfaden). Dies Material, welches in Form von Aufklebern auf allen gelben Kinder-Untersuchungsheften im Kreis Paderborn, zu finden ist, beinhaltet Hinweise zum gesunden Lebensstil. Die Hinweise sind kurz, einfach, verständlich gehalten und mit Piktogrammen hinterlegt. Neben der Informationsvermittlung sollen sie der Ärzteschaft, den Hebammen und den Beratungsstellen als Checkliste zur Lebensstilberatung dienen und Eltern zum Nachfragen anregen. Die Befragung der Multiplikatoren (Kinderärzte, Hebammen, Arzthelferinnen) ergab eine durchweg positive Beurteilung der Materialien. Bei einem Rücklauf von 50% der insgesamt 62 ausgegebenen Fragebögen gaben 69% der Befragten an, die Checklisten tatsächlich zur Beratung der Eltern zu nutzen. Insgesamt sprechen sich 96,8% für eine Weiterführung der Maßnahme aus. Pädiater, pädiatrische Arzthelferinnen und Hebammen konnten für das Thema Adipositasprävention sensibilisiert werden und haben es in ihre Beratung aufgenommen.
Die Befragung von 253 Eltern zur Wahrnehmung der Aufkleber auf den Rückseiten des Mutterpasses und des gelben Untersuchungsheftes ergab, dass 26 % (Mutterpass) bzw. 31 % (Gelbes Untersuchungsheft) der Befragten Eltern explizit mit Hilfe der Vorlagen beraten worden sind. Weitere 40 % der Befragten haben die Aussagen zumindest einmal gelesen. Diejenigen, die persönlich beraten worden sind empfanden dies als sehr hilfreich. 

 

 

 

2. Häusliche Bewegungsräume

Für die praktische Umsetzung der Bewegungsförderung im Kleinkindalter durch die Eltern entwickelte das PAPI-Projekt das Karteikartensystem „Häusliche Bewegungsräume“. Diese Karteikarten mit Bewegungsanregungen für „zu Hause“ werden von Multiplikatoren (Kinderärzte, Hebammen, Krabbelgruppenleitern), die speziell dafür geschult worden sind, an die Eltern weitergegeben. Sie können sich diese Materialien aber auch hier direkt ansehen.

Häusliche Bewegungsräume
für Kleinkinder

und

Familienkalender „Erkundungsspaziergänge“

 

3. Multiplikatorenschulung „Besser essen. Mehr bewegen. – U3“

 

Das PAPI-Team der Universität Paderborn entwickelte eine Fortbildungsreihe für alle, die beruflich mit Kindern im Alter von 0 – 3 Jahren zu tun haben. Angesprochen sind Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und Hebammen, Krabbelgruppenleiterinnen, Übungsleiterinnen, Tageseltern, aber auch Krankenschwestern, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Arzthelferinnen, etc. Das Thema der Multiplikatorenschulung lautet „Besser essen. Mehr bewegen. – U3 – Bewegungs- und Ernährungserziehung im Säuglings- und Kleinkindalter“.
Die einführende Veranstaltung liefert Impulsvorträge zu unterschiedlichen Ansätzen
der Adipositasprävention. Den Einstieg in das Thema macht die Psychologin Dr. Birgit Sievers-Böckel in ihrem Vortrag „Der Schuster mit den schlechten Schuhen“ über den Spagat zwischen Vorbild und Selbstbetroffenheit, also über das Selbstverständnis der Multiplikatoren gegenüber Gesundheitsthemen.
Die Physiotherapeutin und Diplom Pädagogin Brigitte Michels betrachtet in ihrem Beitrag „1, 2, 3 im Sauseschritt…“ die motorische Entwicklung des Säuglings und Kleinkindes unter Berücksichtigung seiner sozialen Bezugssysteme.
Im Beitrag „Ein Löffel für die Oma…“ der Ärztin und Diplom Oecotrophologin Ines Gellhaus geht es um die frühkindliche Ernährungserziehung und -bildung.
Abschließend zeigt die Diplom Sportlehrerin Nicole Satzinger Möglichkeiten, Gelegenheiten und Räume für Sport und Bewegung von Kleinkindern auf. Mit ihrem Thema „…es rappelt in der Kiste“ trifft sie besonders die Bedürfnisse von Erzieher/innen in Kindertageseinrichtungen, die zunehmend Kinder unter 3 Jahren aufnehmen.

 

Den Nachmittag des Fortbildungstages oder in einer zweiten Veranstaltung werden die oben beschriebenen Inhalte in vier Praxis-Workshops vertieft. Die Praxis-Workshops werden wiederholt, so dass jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin an insgesamt zwei Workshops besuchen kann. Variationen im Ablauf und in den Inhalten sind nach Absprache möglich.

 

Kontakt das Kompetenzzentrum für Sport und gesunde Lebensführung OWL (www.owl-zsg.de)

oder direkt bei

 

Ines Gellhaus (ines.gellhaus(at)papi.upb.de) oder

Nicole Satzinger (nicole.satzinger(at)upb.de).

 

Service

Buch
Pfeil Kontakt

Pfeil Produkte

Pfeil Links & Literatur

Pfeil von A bis Z

Logo der Universität Paderborn

Department Sport & Gesundheit

Fachbereiche:
Sportwissenschaft und Ernährung & Verbraucherbildung

Kinderleicht

Bild der Zielgruppe