Im Blick der Wissenschaft

Säuglingsernährung: Prävention von Übergewicht von Anfang an

 

Im Ernährungsbericht 2008 wird gefordert: Prävention darf nicht erst im Kindesalter beginnen. Entscheidende, lebenslange Weichenstellungen im Sinne einer Prägung von Krankheitsveranlagungen erfolgen bereits während kritischer Entwicklungsphasen im Mutterleib und in den ersten Lebenswochen.

Ein wesentlicher Bestandteil dieser präventiven Maßnahmen stellt die richtige Ernährung des Säuglings im ersten Lebensjahr dar. Fehl- und vor allem Überernährung in den ersten Lebensmonaten führt zu einer lebenslangen Prägung des kindlichen Stoffwechsels auf „gute Futterverwertung“. Der erste und beste Weg, um Übergewicht im späteren Kindesalter zu vermeiden,  ist, das Kind möglichst 6 Monate lang voll und ausschließlich zu stillen. 

Für die richtige Einführung von Beikost ab dem 6. Monat haben die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund Empfehlungen herausgegeben. Die Beikostfütterung soll den Säugling von einer reinen Milchernährung im ersten halben Lebensjahr allmählich hin zur ausgewogenen Mischkost der gesamten Familie führen.

Ab dem 7. Lebensmonat reicht Milch als alleinige Nahrung nicht mehr aus, um das Kind ausreichend mit Energie und Nährstoffen zu versorgen. Das Kind benötigt insbesondere für die Deckung seines Bedarfs an Vitamin A, Vitamin C und Eisen andere Nahrungsmittel wie Karotten, Kartoffeln und Fleisch. Die Beikostmahlzeiten ersetzen nach und nach die Milchmahlzeiten. Für die Entwicklung guter Gewohnheiten und für die Vermeidung von Unverträglichkeiten und Allergien werden nur wenige Grundnahrungsmittel bei der Beikost benötigt.

Als erste Beikostmahlzeit wird zunächst mittags ein Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei eingeführt. Man beginnt mit wenigen Löffeln gekochten Gemüses. Wegen ihres süßen Geschmacks, der guten Verfügbarkeit und der leichten Handhabbarkeit bei der Zubereitung haben sich Karotten besonders bewährt. Wenn das Kind sich an den Löffel gewöhnt hat, kann man die Menge von Tag zu Tag steigern. Als weitere Zutat kommen Kartoffeln hinzu. Jede Woche kann eine weitere Zutat folgen, bis das Rezept des Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Breies* vollständig ist. Wenn das Kind eine Breimenge von mehr als 120 g isst, braucht es direkt anschließend keine Milch mehr. Ab dem 8. Monat kann dann abends als zweite Beikostmahlzeit ein Milch-Getreide-Brei* eingeführt werden. Etwa 4 Wochen später ersetzt dann ein milchfreier Getreide-Obst-Brei* eine weitere Milchmahlzeit. Ab dem 10. Monat kann das Kind dann auch schon etwas weiches Brot und leicht stückige Lebensmittel (z.B. gekochte Kartoffeln) essen. Milch bleibt ein- bis zweimal am Tag als Stillmahlzeit, Flaschenmahlzeit oder als Tassengetränk auf dem Speiseplan. Mit diesem Ernährungsplan für das erste Lebensjahr (s.u.) gewöhnt sich das Kind langsam an die Familienkost und wird optimal mit Energie und Nährstoffen versorgt. Beikostmahlzeiten können problemlos selbst hergestellt werden. Halbfertig- und Fertigprodukte*, z.B. in Gläschen können unerwünschte Zutaten (z.B. Milchprodukte, Nüsse, Schokolade) enthalten. Nicht selten ist auch der Gehalt an Fleisch, wertvollem Pflanzenöl und Vitamin C-haltigen Nahrungsmitteln zu gering. Pflanzenöl und Obstsaft müssen dann nach dem Erhitzen noch zugegeben werden.

 

Literatur:

Plagemann A, Dudenhausen JW in: Ernährungsbericht 2008, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., Godesberger Allee 18, 53175 Bonn, zu beziehen über: www.dge-medienservice.de

 

Kersting M., Ernährung des gesunden Säuglings. Lebensmittel- und mahlzeitenbezogene Empfehlungen., Monatsschr Kinderheilkd 2001; 149: 4-10  www.fke-do.de

 

aid-Infodienst (Hrsg.), Empfehlungen für die Ernährung von Säuglingen, zu bestellen unter www.aid.de oder unter www.fke-do.de

 

 

 

 

Bewegungsförderung im Säuglingsalter

 

Warum Bewegung im Säuglings- und Kleinkindalter so wichtig ist!

 

Kinder brauchen Bewegung. Nicht allein für ihre gesunde körperliche Entwicklung, sondern auch für ihre geistige, emotionale und soziale Entwicklung. Zunehmend wird die grundlegende Bedeutung der Bewegung für die Entwicklung der Wahrnehmung und für die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung erkannt.

 

Gerade in der frühen Kindheit erfolgt die unmittelbare Erfahrung, das "Begreifen" der Umwelt, vorwiegend durch die Tätigkeit des Kindes, über seine körperlichen und seine sinnlichen Erfahrungen. Diese unmittelbare Auseinandersetzung mit der Umwelt gilt als wesentlich für die Entwicklung der geistigen Fähigkeiten und des Denkens. Dies hat insbesondere der Schweizer Entwicklungspsychologe Jean Piaget in seinem umfangreichen Werk nachgewiesen (Piaget 1969). Auch die Äußerungen des Kindes erfordern motorische Aktivitäten: Das erste Lächeln des Säuglings, das die Eltern entzückt, alle mimischen Ausdrucksformen sind Bewegung. Nicht zuletzt erfordert auch gerade das Sprechen ein ausgeprägtes, fein abgestimmtes Zusammenspiel vielfältiger Bewegungen. Beim Zeichnen und Malen und beim Schreiben werden Bewegungen festgehalten.

 

Das Kleinkind, das lernt, sich selbständig fortzubewegen, kann dadurch seinen Lebensraum beständig erweitern und erforschen, seine Unabhängigkeit steigern und neue Erfahrungen sammeln, die für seine weitere Entwicklung entscheidend sind. Bei dieser "Eroberung" der Umwelt ist das Kind zunächst in hohem Maße auf die Mithilfe anderer Personen, in erster Linie natürlich seiner Eltern, angewiesen.

 

http://www.ifp.bayern.de/veroeffentlichungen/online.html, 25.09.09

 

 

Wie entwickelt sich die Bewegung des Säuglings?


Im folgenden werden einige Überlegungen zur motorischen Entwicklung des Kindes in der frühen Kindheit vorgestellt, die für die Förderung der motorischen und damit der Gesamtentwicklung des Kindes von Bedeutung sind, und die vor allem Fertigkeiten wie Laufen, Steigen, Klettern, Springen, Fangen und Werfen betreffen.

 

Die motorische Entwicklung verläuft in den ersten drei Lebensjahren rasant.

 

Motorische Entwicklung

Die motorische Entwicklung beschreibt lebensalterbezogene Veränderungen der Steuerungs- und Funktionsprozesse, die dem Menschen für die Koordination seiner Körperhaltung und Bewegungen zur Verfügung stehen. Das koordinative System hat die Aufgabe, das Zusammenspiel einer angemessenen Haltung und der darauf auf-bauenden Bewegung des Körpers zu kontrollieren. Wenn der Mensch geht, hüpft, sitzt oder auch nach etwas greift, laufen Steuer- und Regelungsvorgänge im Körper ab. Maßgeblich an dieser Regulation beteiligt ist das zentrale Nervensystem, welches die motorischen Prozesse und Reaktionen organisiert.

 

www.kindergesundheit-info.de
www.kinderaerzte-im-netz.de

 

Die motorische Entwicklung des Kindes beginnt bereits vor der Geburt: ab dem 5. Schwangerschaftsmonat können Bewegungen des Fötus von der Mutter wahrgenommen werden und sie werden im weiteren Verlauf der Schwangerschaft zunehmend intensiver. Bei Neugeborenen sind verschiedene Reflexe vorhanden, von denen einige für das Überleben des Neugeborenen unerlässlich sind, z.B. Saugreflex, Inspirationsreflex und Schluckreflex. - Der spektakulärste der bei der Geburt vorhandenen Reflexe ist der Darwin-Reflex, der es einigen Neugeborenen ermöglicht, sich mit beiden Händen z.B. an einem waagrechten Seil festzuklammern.

 

In der frühen Kindheit entwickeln sich - nach Abschluss der notwendigen Reifung des Nerven- und Muskelsystems - die elementaren motorischen Fertigkeiten: Sitzen, Krabbeln, Stehen und Laufen, aber auch das Greifen.
In keinem späteren Lebensabschnitt macht das Kind so deutlich sichtbare Fortschritte wie in dieser prägenden Phase. Das Kind lernt in dieser Phase über Wahrnehmungs, Sinnes- und Bewegungsreize.

 

Wahrnehmungs- und Sinnesreize

Wahrnehmungs- und Sinnesreize umfassen alle Informationen aus der Umwelt und dem eigenen Körper, die ein Mensch bewusst und unbewusst aufnimmt und verarbeitet. Die neuen Informationen werden fortwährend mit bereits gespeicherten abgeglichen. Für die motorische Entwicklung* haben unbekannte Bewegungs-situationen eine wesentliche Bedeutung, da hier vielfältige neue Wahrnehmungs- und Sinnesreize auf den Menschen einwirken.

 

Die motorischen Fertigkeiten sind bei allen Kindern zu beobachten, wobei jedoch erhebliche individuelle Unterschiede im Zeitpunkt des Auftretens und in der gezeigten Güte dieser Bewegungsformen bestehen, d.h. verschiedene Kinder beherrschen diese Bewegungsformen in unterschiedlichem Alter. Altersangaben für das Auftreten dieser Bewegungsformen sind daher nicht unproblematisch. Allerdings ist die Reihenfolge, in der die elementaren Grundfertigkeiten normalerweise auftreten, für alle Kinder gleich, lediglich die Geschwindigkeit, in der die einzelnen Entwicklungsschritte stattfinden, variiert erheblich, und es können auch einzelne Fertigkeiten übersprungen werden.

 

Somit können bei der Einschätzung der Entwicklung fertige „Tabellen“ nur der groben Orientierung dienen. Frühzeitig von Entwicklungsdefiziten zu sprechen sollte vermieden werden. Bei der Frage, ab wann eine Abweichung vom "normalen" Entwicklungsverlauf als auffällig angesehen werden sollte, ist in jedem Falle nicht nur eine bestimmte Fertigkeit zu berücksichtigen, sondern die Gesamtentwicklung des Kindes. Neben der individuellen Variation der Entwicklung ist zudem zu beachten, dass die Entwicklung offensichtlich populations- und zeitabhängig verläuft. Wie unterschiedlich die normale Entwicklung zum Gehen verlaufen kann zeigt beispielsweise die folgende Darstellung.

 

 

Abb.: Viele Wege führen zum Gehen. Untersuchungen zeigen, wie unterschiedlich eine „normale Entwicklung verlaufen kann. (Largo, 1999)

 

http://www.familienhandbuch.de/cms/Kindheitsforschung-Koerperentwicklung.pdf

http://www.knetfeder.de/kkp/motorik.html, 14.09.2009

 

 

 

 

 

 

 

Service

Buch
Pfeil Kontakt

Pfeil Produkte

Pfeil Links & Literatur

Pfeil von A bis Z

Logo der Universität Paderborn

Department Sport & Gesundheit

Fachbereiche:
Sportwissenschaft und Ernährung & Verbraucherbildung

Kinderleicht

Bild der Zielgruppe